Diese Anleitung zeigt, wie man ein Linux-System (Ubuntu, Knoppix, Puppy Linux, …) so auf einen USB-Stick kopiert, dass man seinen PC oder Mac davon booten kann. Diese kann man dann entweder dazu verwenden, Linux auf einem PC/Mac zu installieren – oder das Linux-Betriebssystem rein auf dem USB-Stick zu nutzen (sog. Live-CDs, Live-DVDs bzw. Live-USB-Sticks). Oft braucht man nämlich nur kurz ein paar Funktionen, die Windows oder Mac OSX nicht bieten.

In unserer Anleitung zum Rooten des Fire TV Stick 2 benötigen wir bspw. kurz ein Linux-System – wer am Rooten Interesse hat, sollte also bspw. einen Ubuntu Desktop Live-USB-Stick erstellen.


Vorgehen: Linux-System auf USB-Stick installieren & davon booten

  1. Software zum Generieren des USB-Sticks herunterladen
  2. Linux-Image herunterladen
  3. USB-Stick vorbereiten
  4. Image auf USB-Stick schreiben
  5. Vom USB-Stick booten
  6. Ubuntu Desktop ausprobieren

1. Software zum Generieren des Linux-USB-Sticks herunterladen

Am liebsten verwenden wir balenaEtcher. Einfach für Euer Betriebssystem herunterladen und die Datei starten – die von uns verlinkte Portable-Version muss nicht extra installiert werden:

Ähnliche Tools sind bspw. Rufus, Win32 Disk Imager oder der Linux Live USB Creator – das Prozedere ist eigentlich immer das gleiche. BalenaEtcher kopiert jedoch nur die Images 1zu1 – wenn das Image also keinen Bootloader enthält, wird es bei den meisten Rechnern nicht booten. Falls balenaEtcher bei Euch also keine korrekten Ergebnisse liefert, probiert eines der anderen Tools aus.

2. Linux-Image herunterladen (sog. ISO)

Es gibt mehrere verschiedene Linux-Distributionen, die Ihr von einem USB-Stick installieren oder sogar komplett nutzen bzw. ausprobieren könnt (sog. Live-CDs, -DVDs bzw. Live-USB-Sticks). Diese werden in sog. ISO-Dateien bereitgestellt – eigentlich gedacht für das Brennen auf eine DVD. Man bekommt so gut wie alle Linux-ISO-Dateien irgendwie auf einen USB-Stick, so dass man seinen Rechner davon booten kann.


Linux-Distributionen, die direkt vom USB-Stick booten

Es gibt viele verschiedene Linux-Distributionen, die man vom USB-Stick installieren oder gar komplett nutzen kann. Wir verwenden am liebsten „Ubuntu Desktop“, das ermöglicht das meiste und ist sehr nutzerfreundlich. Ubuntu Desktop könnt Ihr hier herunterladen.

Ansonsten gibt es noch folgende Distributionen:

3. PC/Mac & USB-Stick vorbereiten

SanDisk Extreme Go 64GB USB-Stick mit USB3.0: robust, preiswert & schnell

Unsere Empfehlung: SanDisk Extreme Go: robust, preiswert & schnell

Wir empfehlen Euch, einen möglichst zuverlässigen und gleichzeitig auch schnellen USB-Stick zu verwenden. Je nach Linux-Distribution muss er eine entsprechende Mindestgröße besitzen. Mit 8GB seid Ihr meist auf der sicheren Seite – für einige reicht aber auch weniger als 2GB. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den USB-Sticks von SanDisk gemacht. Aktuell am besten gefällt uns bspw. der SanDisk Extreme Go:

  • sehr robust
    • Öse für Schlüsselanhänger fest im Gehäuse integriert
    • USB-A-Stecker lässt sich ein und ausfahren
  • hat bei USB3.0 hohe Transferraten (zwischen 125MB/s & 150MB/s)
    • bei USB2.0 stoßen mittlerweile die meisten sticks sowieso an die praktische Grenze des USB2.0-Standards von um die 40MB/s.
  • für seine Leistung einigermaßen preiswert

Dateien vom USB-Stick sichern

Im nächsten Abschnitt „4. Image auf USB-Stick schreiben“ werden alle Daten auf dem USB-Stick überschrieben. Prüft also, ob Ihr noch Daten die sich auf dem Stick befinden noch behalten wollt und sichert diese auf ein anderes Speichermedium.


Andere Laufwerke entfernen

Damit Ihr nicht aus versehen ein anderes Laufwerk überschreibt, zieht nun sicherheitshalber alle am PC angeschlossenen USB-Speichermedien ab – also USB-Festplatten, USB-Sticks oder USB-Speicherkartenleser – vorher mit dem Betriebssystem-Tool natürlich korrekt auswerfen.

4. Image auf USB-Stick schreiben

Nun öffnet Ihr BalenaEtcher und klickt links auf „Select image“ und wählt im anschließenden Dialog die Linux-ISO-Datei die Ihr vorhin heruntergeladen habt aus. Dann klickt Ihr auf den mittleren Button „Select drive“ und wählt den USB-Stick aus – hier müsst Ihr aufpassen, dass Ihr das richtige Laufwerk auswählt. Danach klickt Ihr nur noch auf den Flash-Button und bestätigt ggf. nochmal den Betriebssystem-Dialog von Windows oder Mac OSX, dass auf den USB-Stick geschrieben werden darf.

5. Linux vom USB-Stick booten

Nun ist der USB-Stick fertig und muss nur noch gebootet werden. Hierzu gibt es zwei Methoden: Den Rechner beim Booten sagen, dass er vom USB-Stick starten soll – oder: ab Windows 8.1 kann man direkt aus Windows festlegen, den Rechner das nächste Mal vom USB-Stick zu booten. Anbei die zwei Varianten:

  1. Direkt in Windows das Booten vom USB-Stick aktivieren

    Falls Ihr Windows 8.1 oder Windows 10 im UEFI-Modus installiert habt, dann könnt Ihr direkt aus Windows heraus sagen, dass Ihr nach dem nächsten Neustart von einem USB-Stick booten wollt. Das geht wie folgt:

    • Links und auf das Windows-Symbol klicken
    • Dann auf den An-/Aus-Symbol klicken
    • Und schließlich mit gedrückter Shift-Taste auf „Neu starten“
    • Danach schließt Windows alle Programme, meldet sich ab und zeigt anschließend aber noch extra Einstellungen an. Wählt hier dann „Ein Gerät verwenden“ und schließlich „EFI USB Device“.
    • Windows fährt nun vollständig runter, startet den Rechner neu und dieser bootet dann vom gerade ausgewählten USB-Stick.
  2. Boot-Menü so einstellen, dass vom USB-Stick gebootet wird

    Direkt nachdem der PC/Mac angeschaltet wurde, wird zunächst das BIOS gestartet – es ist dafür zuständig nach und nach die Hardware des Rechners zu aktivieren, zu prüfen und schließlich in die Lage zu versetzen, ein Betriebssystem zu starten. Nach dem Anschalten wird dann immer das Standard-System gestartet. Man kann aber auch manuell eingreifen und bspw. von einer DVD, einem USB-Stick oder einer anderen Festplatte starten.

    Wichtig: Direkt nach dem Starten eine F-Taste drücken

    Damit wir vom USB-Stick starten können, müssen wir sofort nach dem Anschalten des Rechners eine spezielle Taste drücken, die dann das Bootmenü aufruft. Diese ist jedoch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Meist sind es Esc, F8, F9, F10 oder F12 – manchmal aber auch F7, F11, Tab oder Alt. Wir haben für Euch eine Liste erstellt, welche Hersteller welche Tasten am häufigsten für das Aufrufen des Startmenüs verwenden:

    • Acer: Esc, F9, F12
    • ASUS: Esc, F8
    • Compaq: Esc, F9
    • Dell: F12
    • Fujitsu: F12
    • HP: Esc, F9
    • Intel: F10
    • Lenovo: F8, F10, F12
    • NEC: F5
    • Packard Bell: F8
    • Samsung: Esc, F12
    • Sony: F11, F12
    • Toshiba: F12

    Wir drücken die Taste nicht dauerhaft, sondern drücken sie immer wieder jede 0,5 Sekunden – haltet die entsprechende Taste auch nicht zu lange gedrückt, das verwirrt manche PCs/Macs. Also einfach so drücken, als ob Ihr einen Buchstaben eines Wortes eintippen wollt.

    Falls es geklappt hat, sollte sich ein extra Menü öffnen bei dem Ihr das Gerät auswählen könnt, von dem gebootet werden soll. Hier wählt Ihr nun Euren USB-Stick aus. Je nach Computer-Hersteller sind hier manchmal verwirrende Bezeichnungen zu finden. Fast immer ist etwas mit „USB“ enthalten. Geht mit den Pfeiltasten nun zum entsprechenden Eintrag und bestätigt diesen mit der Enter-Taste.

Vom USB-Stick Linux booten

Nun sollte vom USB-Stick das von Euch installierte Linux-System gestartet werden. Falls das nicht der Fall ist und nach der Bestätigung des Eintrags trotzdem wieder Windows gebootet wird, verwendet einen anderen USB-Stick-Generator aus Abschnitt 1. Unter Windows klappt Rufus bspw. auch sehr gut – wählt dort dann bei „Boot selection“ den Eintrag „FreeDOS“, bei „Partition scheme“ „MBR“ und bei „Target system“ „BIOS (or UEFI-CSM)“ aus und schreibt das Image. Danach versucht Ihr nochmal, vom USB-Stick zu booten.

6. Linux bzw. Ubuntu ausprobieren

Wenn das Linux-Live-Betriebssystem nun komplett vom USB-Stick gebootet ist, müsst Ihr  bspw. bei Ubuntu Desktop nichts installieren. Ihr könnt den sog. Live-Modus „Ubuntu ausprobieren“ aktivieren – dadurch wird nichts an Eurem Rechner oder den daran angeschlossenen Festplatten geändert. Das geht wie folgt:

  • Beim Start von Ubuntu Desktop wird als erstes nach der Sprache gefragt, hier einfach „Deutsch“ auswählen (links in der Liste müsst Ihr etwas nach oben scrollen).
  • Anschließend klickt Ihr auf „Ubuntu ausprobieren“ (zuvor stand dort in englisch „Try Ubuntu“).
  • Der Bildschirm schaltet sich kurz schwarz und zeigt dann den Linux-Desktop an.
  • Nun könnt Ihr Ubuntu so verwenden, als ob es auf einer Festplatte installiert wäre – wer richtig ins Eingemachte gehen will, verwendet bspw. das Terminal.